2007-06-22
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Geothermie: Energie aus dem Bohrloch

Die OMV testet, ob sich ausgediente Tiefbohrungen zur Energieversorgung nutzen lassen.
21.06.2007 | 18:09 | (Die Presse)

WIEN (ku). Je tiefer desto wärmer: Alle hundert Meter, die man tiefer in die Erde bohrt, wird es um drei Grad wärmer. In 3000 Meter Tiefe hat es um die 100 Grad – genug, um die Energie technisch nutzen zu können. Bloß: Bohren ist teuer. Ein Meter kostet 1300 bis 1400 Euro, 3000 Meter schlagen sich folglich mit vier Mio. Euro zu Buche.

Diese Summe kann man sparen, wenn es schon ein Loch gibt. Und genau das versucht nun die OMV: In zwei Versuchen – in Österreich und Rumänien – wird getestet, ob man nicht mehr benutzte Bohrlöcher für die Erdwärme-Gewinnung nutzen könnte. „Wir haben in Österreich 1000 aktive Sonden“, sagt Reinhart Samhaber, Österreich-Chef der OMV-Sparte „Exploration & Production“.

Der Großteil werde freilich für die Öl- und Gasförderung benutzt, einige Bohrungen seien aber frei. Ein Bohrloch im Wiener Becken will man nun unten verschließen, in die Mitte wird ein zweites Rohr eingeführt. Wasser soll dann außen in die Tiefe gepumpt werden – wobei es sich erwärmt – und innen wieder an die Oberfläche geleitet werden.

Ob sich Geothermie rechnet, hängt in den Augen des Grazer Experten Johann Goldbrunner vor allem davon ab, wie gut die Wärme ausgenutzt wird. „Jene Anlagen, wo eine möglichst große Temperaturdifferenz genutzt wird, sind erfolgreich“, sagt er. Soll heißen: Es müssen mehrere Prozesse hintereinander geschachtelt werden. Als Beispiel nennt er eine Geothermie-Anlage im oberösterreichischen Geinberg. Das 105 Grad heiße Wasser aus dem Untergrund wird in einer Molkerei und für Fernwärme genutzt. Das Abwasser mit 82 Grad heizt ein Thermenzentrum, die verbleibenden 50 Grad reichen für ein Gewächshaus. Auch die Therme Blumau, die zur Gänze – inklusive Strom – mit Erdwärme versorgt wird, sei wirtschaftlich.

Das größte Potenzial für Geothermie gibt es in Goldbrunners Augen im Wiener Becken: 200 Megawatt (MW) Wärme und 50 MW Strom seien dort erschließbar – Energie für 20.000 Haushalte. Für Gesamtösterreich geht er von 500 MW aus. Das OMV-Geothermie-Projekt ist eines von sechs Projekte, die aus dem 2006 eingerichtetem „OMV Future Energy Fund“ gespeist werden. Die OMV will, wie berichtet, um 100 Mio. Euro neue Energietechnologien entwickeln und in ihr Geschäft integrieren.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.06.2007)
http://www.diepresse.at/home/wirtschaft/economist/312151/index.do

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