2007-08-01
Download PDF

Warme Wasser - Geothermie

01.08.2007 | Report online

Weltweit werden rund 28.000 Megawatt Energie mittels Geothermie gewonnen. Die OMV prüft, ob es wirtschaftlich Sinn macht, ausgediente Gas- und Ölsonden als Warmwasserquellen anzuzapfen.

Der OMV Future Energy Fund ist derzeit sehr breit angelegt, es werden viele Machbarkeitsstudien erstellt«, erklärt deren Geschäftsführerin Dorothea Sulzbacher. Anfang Dezember 2006 wurden vom Beirat des Funds die ersten Projekte freigegeben. Im Foklus stehen die zweite Generation Biodiesel, Biogas, zwei Wasserstofftankstellen und die Injektion von CO2 bei der Erdgasförderung. Seit kurzem stehen nun auch Mittel zur Verfügung, die Nutzung von Geothermie auszuloten. OMV hat dafür ganz passable Voraussetzungen, da sie österreichweit über mehr als tausend Bohrlöcher für die Öl- und Gasförderung verfügt. 30 bis 40 davon werden pro Jahr aufgelassen und müssen mit erheblichem Aufwand versiegelt werden. Nun denkt man daran, diese zum Teil bis 3500 Meter in die Erde reichenden Sonden alternativ zu nutzen. »Geothermie ist für uns dann interessant, wenn sie hohes wirtschaftliches Potenzial hat, die Umweltkriterien erfüllt und ein technologischer Nutzen gegeben ist«, betont Sulzbacher. Der Fund wurde ja zum Zweck gegründet, Technologien zu finden, die das Zeug haben, zu einem weiteren Standbein der großen OMV zu werden. Derzeit sucht Reinhart Samhaber, Geschäftsführer der OMV Austria Exploration & Production GmbH, nach einer passenden Sonde, die nicht weiter als 200 Meter von potenziellen Abnehmern, also einer Siedlung oder eines Gewächshauses, liegt und sich für die geother- mische Nutzung eignet. Er macht das nebenbei, denn seine eigentliche Aufgabe ist es, die heimische Erdgasförderung bis 2010 um 25 Prozent zu heben, was sich der Öl- und Gasmulti viel Geld kosten lässt. Die Mittel für die heimische Exploration wurden vom Konzern von 50 auf 250 Millionen Euro pro Jahr deutlich aufgestockt. Die Nachnutzung der Kohlenwasserstoffbohrungen kann man somit getrost als nettes Hobby betrachten. Das Budget für zwei Jahre beträgt 500.000 Euro, wovon der Großteil von Samhabers Division getragen wird. Basierend auf einer Machbarkeitsstudie, die bereits 2003 erstellt wurde, will man jetzt eine neue Rohrtechnologie austesten, die vielleicht auch bei der Ölförderung Sinn macht. Ein Rohr besteht quasi aus zwei Rohren. Im isolierten inneren Kern wird das warme Wasser hochgepumpt, im äußeren Kern das kalte zurückgeführt. Funktioniert die Technik, wird die Geothermienutzung wirtschaftlicher, wobei die OMV mit ihren bereits gebohrten Sonden einen gravierenden Vorteil hat. Die Neubohrung einer Sonde kostet bei einer Bohrtiefe von 3000 Metern im Durchschnitt 1300 bis 1400 Euro pro Laufmeter. Je tiefer die Bohrung geht, desto teuerer wird die Angelegenheit. »Aufgrund der hohen Nachfrage werden die Bohrungen fast täglich teurer«, weiß Samhaber.

Wirtschaftlichkeit im Verbund.
Insgesamt lässt sich die Wirtschaftlichkeit von Geothermie am besten dann erzielen, wenn die aus der Erde geholte Wärme mehrfach genutzt wird, weiß der Geschäftsführer der Firma Geoteam GmbH, Johann Goldbrunner, ein ausgewiesener Experte, der an mehreren Universitäten lehrt. »Probleme gibt es dann, wenn nur ein Temperatursegment, wie etwa die Fernwärme, bedient wird«, erklärt er. Beim oberösterreichischen Projekt Geinberg wird das Warmwasser dreifach genutzt. Dort sitzt man auf 105 Grad warmen Wasser, das in der ersten Stufe in die Molkerei geht und von dort abgekühlt in das Thermenzentrum weitergepumpt wird. In der dritten Stufe wird die Restwärme von dort in naheliegende Gewächshäuser transportiert und nach der Nutzung abgekühlt auf rund 30 Grad wieder der Erde zugeführt. »Es braucht nachgeordnete Nutzer, das erfordert Management«, betont Goldbrunner. In der steirischen Therme Blumau wird mit dem Warmwasser zusätzlich zum Thermenbetrieb Strom erzeugt. Ob das tatsächlich wirtschaftlich ist, lässt sich aus der Ferne nicht einfach beurteilen. Bei einer Wassertemperatur von 100 bis 110 Grad beträgt der Wirkungsgrad in der Stromerzeugung gerade einmal acht bis zehn Prozent. Die Internationale Ener- gieagentur hat für euorpäische Geothermieprojekte Stromgestehungskosten von 47 bis 87 Euro pro Megawattstunde errechnet. Goldbrunner ist, was die Stromerzeugung betrifft, in unseren Breiten eher skeptisch. Hierzulande gibt es derzeit mit Altheim und Blumau zwei Geothermieprojekte für die Erzeugung von Strom. Ihre Leistung ist mit 0,2 Megawatt eher bescheiden. Weltweit eindeutig führend mit einer installierten Leistung von 2544 MW (2005) sind die USA, gefolgt von den Phillipinen mit 1931 MW. In Italien sind 790 MW installiert, in Island 202 MW.

Potenzialsuche.
Was die Geothermienutzung insgesamt (Wärme und Strom) betrifft, ist Schweden mit einer Leistung von 3840 MW in Europa ein Ausnahmefall und übertrifft sogar das Riesenreich China mit 3687 MW. Weltweiter Spitzenreiter sind die USA mit 7817 MW installierter Leistung im Jahr 2005. Österreich steht mit seinen 352 MW im Vergleich zu Deutschland (504 MW) auf den ers-ten Blick nicht so übel da. Die Schweiz jedoch hat eine lange Tradition und hatte im Jahr 2005 bereits 581 MW in Betrieb. »Im Bewusstsein der Öffentlichkeit ist der Begriff Geothermie in Österreich nicht verankert«, meint Goldbrunner. »Die Geothermie komme selbst bei ökologisch orientierten Politikern nicht oder nur selten vor«, urteilt er. Ausdruck der politischen Wurstigkeit sei der Ökostromtarif aus Geothermie, der mit 7,3 Cent per Kilowattstunde festgelegt ist und damit nicht einmal die Hälfte dessen beträgt, was in Deutschland ausbezahlt wird. Freilich muss bedacht werden, dass auch mit besserer Vergütung der Strombeitrag von Geothermie eher bescheiden bleiben würde. Die mittelfristig zu erschließende Stromleistung in den drei Gewinnzonen Wiener Becken, Oberösterreichisches Molassebecken und Steirsiches Becken beträgt nach Einschätzung von Goldbrunner gut 60 MW. Bei der Wärmeleistung könnten die Erdwärmereserven jedoch sehr wohl einen relevanten Beitrag leisten - den der Experte für das Wiener Becken mit 200 MW, für Oberösterreich mit 150 MW und in der Steiermark mit 80 Megawatt veranschlagt.

Bei weitem größer wäre das Potenzial vermutlich in Rumänien, wo die OMV 51 Prozent an der Petrom hält. Diese verfügt über rund 11.000 Bohrlöcher, die teilweise für Geothermie geignet wä- ren. Nun soll ein Forschungsauftrag vergeben werden, der das Potenzial in Rumänien erheben soll.

Warme Steine
Rund 50 Kilometer nördlich von Straßburg, im Ort Soultz-sous-Forets nahe der deutschen Grenze entsteht seit 1987 mit enormem Aufwand eine Geothermie-pilotanlage. In rund fünf Kilometer Tiefe fanden die Forscher Gesteinstemperaturen von 200 Grad vor. Um diese Wärme zu nutzen, werden über den Hauptbohrstrang enorme Wassermengen eingepresst. Die verteilen sich in der Tiefe und werden erwärmt mittels zweier weiterer Bohrstränge wieder an die Erdoberfläche gefördert. Dort werden aus dem Dampf sechs MW Strom erzeugt. Experten nennen dieses Verfahren Hot-Dry-Rock-Verfahren. In Basel (CH) ist die weltweit erste kommerzielle Anlage in Bau. Auch dort gehen die Bohrungen 5000 Meter in die Tiefe. Ziel ist es. rund 50.000 Haushalte mit Strom und Wärme zu versorgern. Seit dem Vorjahr sind dort allerdings erhebliche Prob-leme mit Erderschütterungen aufgetreten.