2007-10-24
Download PDF
OMV öffnet Füllhorn für Erneuerbare
24.10.2007 | WIENER ZEITUNG | Innovativ41-42
Der Mineralölkonzern OMV hat den ersten Geburtstag seines Future Energy Fund ziemlich still gefeiert. Auch wenn es noch keine konkreten Projekte gibt ist das Unternehmen sehr zufrieden mit seinem Baby.
Während die österreichische Regierung am Ende des Sommers die Signale für den Klimaschutz- und Energiefonds grün gestellt hat und dafür bis zum Jahr 2010 rund 500 Steuermillionen locker macht, hat der OMV-Future Energy Fund im Juni seinen sehr stillen ersten Geburtstag gefeiert. Immerhin 100 Millionen Euro will der Öl- und Gaskonzern binnen zehn Jahren in den Bereich Erneuerbare stecken. Insgesamt zehn Projekte hat die OMV bereits auf den Weg gebracht und dafür insgesamt 3,9 Millionen Euro locker gemacht. Die nächsten Projekte sind schon in der Pipeline. Vorerst geht es um Machbarkeitsstudien, die in alle drei Konzernbereichen vermehrte Anstöße in Richtung nachhaltigerer Energieförderung und versorgung auslösen sollen.
Dorothea Sulzbacher, die Managerin des OMV Future Energy Fund (FEF) sieht die Unternehmensgruppe
auf gutem Weg in eine grünere Zukunft. Dass in einem Jahr des Bestehens vergleichsweise magere 3,9 Millionen Euro für Projekte ausgeschüttet wurden, ist für sie kein Anlass zur Sorge, im Gegenteil:
Man muss dem Fonds auch Zeit geben. Am Anfang sind es überwiegend Feasibilty Studies und Forschungsprojekte, und bei Erfolg wird es dann in Richtung Investition gehen und dann werden die Beträge sicherlich auch deutlich steigen. Und für eine Forschungsstudie muss ich ja nicht so viel Geld
in die Hand nehmen wie für ein tatsächliches Investment. Es wäre sicher wünschenswert, wenn es 2008 die ersten konkreten Projekte geben würde, aber zu diesem Thema kann und will ich mich heute nicht festlegen.
Wenn man die Kosten für die Projekte, die im Rahmen des FEF derzeit laufen, genauer unter die Lupe nimmt, ergibt sich, dass der Schwerpunkt derzeit auf dem Raffinerie-Bereich liegt. In eine Machbarkeitsstudie über die Errichtung einer Produktionsanlage für Biodiesel der zweiten Generation sind 47 Prozent der gesamten vom Fonds vergebenen Fördermittel (das sind mehr als 1,8 Millionen
Euro) geflossen. Das gesamte Volumen des Projekts beträgt annähernd elf Millionen Euro, davon trägt die OMV die Hälfte. Anfang 2008 soll das Ergebnis der Machbarkeitsstudie vorliegen.
Allerdings hat der dramatische Preisanstieg bei Rohstoffen für Biosprit, der durch mangelnde Verfügbarkeit von Flächen und den Nachfrage-Boom ausgelöst worden ist, die Begeisterung für klassischen Raps-Biodiesel selbst bei Öko-Fundis ins Wanken gebracht. Auch die OMV-Managerin ist nicht gerade Feuer und Flamme: Man muss sich die Ziele genau überlegen, auch seitens der Energiebilanz, ob konventionelle Biokraftstoffe wirklich sinnvoll sind.
Anders schaue es bei der in der Studie untersuchten Anlage für Biodiesel der zweiten Generation aus. Für die Herstellung der so genannten BtL-Kraftstoffe (Biomass to Liquid) können - zumindest wäre das von der OMV mitfinanzierte Projekt so konzipiert - sämtliche Öle und Fette verwendet werden. Noch weiter gedacht kann Biosprit der zweiten Generation gar Abfälle veredeln, denn er kann aus allen möglichen biologischen Reststoffen von Pflanzen bis hin zu Schlachtabfällen oder Abwasser gewonnen werden. Der
besondere Charme: Anders als Biotreibstoffe der ersten Generation konkurriert BtL-Sprit nicht mit der Nahrungsmittelproduktion und auch nicht um die Agrarflächen.
Zweiter großer Brocken bei den Projekten des FEF ist der Bereich CO2 -Speicherung (Sequestrierung), für insgesamt drei Projekte in diesem Bereich wurden mehr als 1,4 Millionen Euro vergeben. Zusammen flössen davon rund 80 Prozent in zwei Forschungsprojekte zum Thema Injektion von CO2 bei der Erdgasförderung sowie Rückführung von CO2 bei der Ölförderung. In diesen Projekten geht es
nicht um die technische Machbarkeit, sondern um die Überprüfung, wie sicher diese beiden Technologien sind. Bei diesen werden das bei Öl- und Gasförderung frei werdende Kohlendioxid abgetrennt und in die Lagerstätte reinjizieren. Dadurch erhöht sich die Öl- und Erdgasproduktion markant.
Ein drittes Forschungsprojekt zum Thema Kohlendioxid-Sequestrierung beschäftigt sich mit der so genannten Zero Emission Power Plant (ZEP): Das ist ein konventionelles Kraftwerk, das 80 bis 90 Prozent der sonst anfallenden Emissionen einspart, indem der bei der Stromerzeugung entstehende Klimakiller zu geeigneten Lagerstätten transportiert und in tief unter der Oberfläche befindliche Schichten hineingepresst wird. In diesem Projekt betrachtet die OMV mögliche Technologien zur Abscheidung, dem
Transport und der Speicherung sowie wirtschaftliche und rechtliche Aspekte eines möglichen Pilotkraftwerkprojektes samt Standort.
Schwerpunkt der Untersuchungen sei aber der Sicherheitsaspekt, legt sich Sulzbacher Fest: Wenn diese Technologie nicht sicher ist, dann wird das die OMV nicht machen. Fast stolz berichtet Sulzbacher, dass
selbst eine renommierte Kritikerin der Sequestrierung, die weit über die Grenzen Österreichs renommierte Klimaforscherin Professor Helga Kromp-Kolb, die im Beirat des FEF sitzt, den Projekten zugestimmt hat.
Weltweit wird über CO2-Sequestrierung geforscht. Der deutsche Stromkonzern Vattenfall Europe möchte aber nicht auf entsprechende Forschungsergebnisse warten, sondern baut am Standort Schwarze Pumpe
in Brandenburg schon ein Versuchskraftwerk mit 320 Megawatt Leistung, um die Abscheidung von Kohlendioxid mittels Kondensation zu testen. Die Anlage soll Mitte 2008 anlaufen wird, allerdings keinen
Strom, sondern nur Testergebnisse liefern.
Nichtsdestotrotz, das Thema Sequestrierung ist sehr umstrittenen, Kritiker monieren, dass dadurch keine Tonne des Treibhausgases vermieden wird, im Gegenteil, mancher könnte das als Freibrief sehen, noch mehr CO2 zu emittieren, weil man es ja unter der Erde verstecken kann, es sich damit quasi in Luft aufgelöst hat. Eines ist klar: Die Kosten der Sequestrierung würden auch eine Strompreiserhöhung bewirken.
Völlig ungewiss ist auch, ob sich das Treibhausgas dauerhaft einlagern lässt oder die Speicherung nur eine Verzögerung der Emission darstellt und das Kohlendioxid nicht nur einige hundert oder tausende Jahre später wieder in die Atmosphäre gelangt, also eine tickende Klimabombe bleibt. Als mögliche
Speicher gelten jene geologische Formationen, aus denen das Kohlendioxid, allerdings in anderer Form, entnommen wurde, wie Gas oder Öllagerstätten oder Kohleflöze.
Weit gefährlicher als das allmähliche Ausgasen des gespeicherten Kohlenstoffdioxids wäre ein plötzliches Zutagetreten, zum Beispiel nach einem Erdbeben. Als warnendes Beispiel gilt die Nyos-Katastrophe im August 1986. Schlagartig setzte der Kratersee in Kamerun (Zentralafrika) 1,6 Millionen Tonnen Kohlendioxid frei. Das Gas strömte in zwei Täler und tötete 1800 Menschen und Tausende von Tieren in bis zu 27 Kilometern Entfernung vom See.

