2007-11-26
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Schuld sind immer die Anderen

26.11.2007 | KURIER | S.20

Im Siemensforum diskutierten bei einer Veranstaltung von KURIER und ORF Experten mit Schülern über Klimawandel.

Wer glaubt dass es den Klimawandel gibt", fragt Greenpeace-Klimaexperte Jurrien Westerhof die gut 200 Schüler, die ins Siemensforum gekommen waren. Fast alle zeigen auf. "Und wer würde aufs Fliegen verzichten?" Nur fünf Hände gehen hoch.

Westerhof zeigt so das Dilemma: Jeder will, dass etwas gegen den Klimawandel getan wird. Doch sein Verhalten will niemand ändern.
"Doch. Die Industrie hat schon sehr viel getan" entgegnet Ulrike Rabmer- Koller (oö. Wirtschaftskammer). Sie verweist darauf, dass "Österreich in vielen Umweltbereichen Vorbild ist". Man dürfe nicht in Panik geraten. "Wir müssen an Innovationen arbeiten."
Für innovative Projekte hat der Mineralölkonzern OMV ein Budget von 100 Mio. Euro: "Wir forschen, wie wir Energie sinnvoller einsetzen können und wie man erneuerbare Energien, die derzeit noch unwirtschaftlich sind, besser nutzen kann" sagte Dorothea Sulzbacher (OMV).
"Warum diskutieren wir erst jetzt über den Klimawandel?", will ein Schüler wissen. "Diese Frage stelle ich mir täglich mehrmals", meint Wolfgang Mehl vom Klimabündnis Österreich, "wir müssen jetzt jedenfalls ganz schnell ganz viel tun."

Billiges Benzin Doch die Politik versage: "So wurde das Ökostromgesetz, das Windkraft und andere erneuerbare Energie fördert, vergangenes Jahr auf Drängen der Wirtschaft gekippt", kritisiert Mehl. Dagegen sei Benzin im Verhältnis zu Lebensmitteln viel billiger geworden.
"Wer soll strengere Ökogesetze kontrollieren?" Umweltorganisationen wollen UNO-Beschlüsse. "Da müssen die Industrieländer Vorbild sein. Wie wollen wir sonst Schwellenländer wie China davon überzeugen, dass auch sie Energie sparen müssen?", fragt Westerhof. "Warum schimpft man immer auf die Autofahrer? Ich fahre jedenfalls gerne mit dem Auto", meint ein Schüler. Eine Mitschülerin gibt ihm recht: "Autofahren ist für viele halt ein Hobby".
Rabmer-Kollerstellt dazu fest: "Der Verkehr ist mittlerweile der Hauptverursacher von CO2." Säumig ist auch die Politik: Bahn-Fahren ist nicht attraktiv "und auch teuer".