2008-01-31
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Fossile Energie ohne CO2-Ausstoß
31.01.2008 | Die Presse | S.20
Statt in die Luft soll Kohlendioxid künftig in den Boden geblasen werden. So sollen nach Wünschen der Politik die ehrgeizigen Klimaziele erreicht werden.
Wien(jaz). Kohle oder Gas verbrennen und dabei kein CO2 in die Atmosphäre blasen. Das ist angesichts der globalen Klimaziele der Traum vieler Energieversorger und Industriekonzerne. Eine Technik, die das wahr werden lassen könnte, ist die Abscheidung, Komprimierung und Lagerung von CO2(Carbon Capture and Storage CCS). Ursprünglich wurde diese Technik für die Erdölförderung entwickelt. Durch das in den Boden gepumpte CO2 wurde das Öl in anderen Bereichen des Ölfeldes nach oben gedrückt. Nun setzt die Politik auf CCS, um den CO2-Ausstoß zu verringern.
Gelagert wird das CO2 in ausgebeuteten Erdöl- oder Erdgaslagerstätten, sagt Thomas Spörker am Dienstagabend vor Journalisten. Spörker ist beim Wirtschaftsministerium für die Koordinierung von CCS-Projekten verantwortlich. Bislang gibt es in Österreich noch keine Projekte, da die rechtliche Grundlage fehlt. Vergangene Woche hat die EU die Eckpunkte für eine entsprechende Richtlinie vorgestellt, die bis 2009 fertig gestellt werden soll. Weltweit sind bereits einige Pilotanlagen in den USA, Norwegen oder Japan in Betrieb.
Das globale Potenzial für die Speicherung von CO2 liegt zwischen 675 und 900 Mrd. Tonnen, sagt Spörker. Der weltweite Ausstoß beträgt rund 25 Mrd. Tonnen pro Jahr. Auch in Österreich gebe es vor allem im Wiener Becken genügend Möglichkeiten für die Lagerung. Etwa 465 Mio. Tonnen könnten in Österreich gelagert werden, so Spörker. Der heimischen CO2-Emissionen betragen jährlich rund 92 Mio. Tonnen.
Kosten: 20 bis 70 Euro je Tonne
Allerdings kann nur ein Teil des heimischen CO2 gespeichert werden. Etwa die Hälfte entsteht im Verkehr oder beim Hausbrand, wo eine Abscheidung nicht möglich ist. Der Rest wird von Industrieanlagen und kalorischen Kraftwerken ausgestoßen. Aber auch dort wird nur ein Teil lagerbar sein.
Für CCS benötigt es mehrere sehr große CO2-Produzenten, sagt Margit Kapfer vom Beratungsunternehmen Denkstatt, das eine Studie zu dem Thema erstellt hat. Denn nur bei Anlagen mit einem hohen CO2-Ausstoß sei CCS wirtschaftlich sinnvoll. Und auch bei diesen Anlagen würden die Kosten zwischen 20 und 70 Euro je Tonne betragen. Dies liegt derzeit noch weitgehend über dem Preis von CO2-Zertifikaten, die für rund 22 Euro an der Börse erhältlich sind. Das Ziel der Internationalen Energieagentur ist allerdings, bis 2030 den Preis für die CO2-Abscheidung auf 25 Euro je Tonne zu senken, so Kapfer. Im Gegenzug wird allgemein erwartet, dass sich durch die zunehmende Reduktion von Gratis-Zertifikaten der CO2-Preis an den Börsen erhöhen wird.
Eine Lagerung von zwei bis fünf Mio. Tonnen pro Jahr ist leicht vorstellbar, meint Reinhard Samhaber von der OMV. Technisch sei auch mehr möglich. Die OMV habe schon über 30 Jahre an Erfahrung in der Speicherung von russischem Erdgas in bereits ausgebeuteten österreichischen Gasfeldern. Ungeklärt sei jedoch der Transport des Gases an der Oberfläche bis zu den Feldern.
Sobald das CO2 unter der Erde ist, wird es mit einer hohen Wahrscheinlichkeit auch dort bleiben. Laut dem UN-Klimabeirat IPCC sind bei zuvor entsprechend ausgesuchten Lagerstätten auch nach 1000 Jahren noch 99 Prozent gelagert. Für die Kontrolle ist laut dem EU-Entwurf zuerst der Betreiber verantwortlich. Ist eine Förderstätte jedoch längere Zeit geschlossen, geht die Verantwortung auf den jeweiligen Staat über. Gefahren für die Bevölkerung gibt es kaum. CO2ist nicht brennbar und auch bei einem Leck sollte es nur langsam und nicht explosionsartig nach außen dringen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.01.2008)

